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THEMATISCHE ARBEITSSCHWERPUNKTE DES HAUSES

Das Haus um 1990 Die Familie von Max Samuel Max Samuel Das Max-Samuel-Haus in Rostock heute

Die wichtigste Aufgabe der Stiftung ist die Vermittlung von Wissen über jüdische Geschichte und Kultur, um damit Antisemitismus und Intoleranz wirksam zu bekämpfen. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die inhaltliche Kinder- und Jugendarbeit gelegt. Für Interessenten gibt es eine im Haus öffentlich zugängliche Bibliothek mit besonderem Schwerpunkt zur jüdischen Geschichte. 14 hauseigene Publikationen zu unterschiedlichen Themen
sind bisher veröffentlicht worden. Wir veranstalten Lesungen, Konzerte, Vorträge, aber auch thematische Ausstellungen, z. B. über nahezu vergessene jüdische Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern.

Den stärksten Eindruck aber hinterlassen die
Stolpersteine, die in Rostock vor den ehemaligen Wohnungen von Holocaust-Opfer in den Bürgersteig gesetzt werden. Diese sind von Privatpersonen und Unternehmen gespendet worden. Weitere Aktivitäten des Hauses finden Sie auch unter der Rubrik Veranstaltungen.

Die Arbeit des Max-Samuel-Hauses wird durch zwei ehrenamtliche Gremien - einen Stiftungsvorstand und ein Kuratorium - begleitet. Zusätzlich engagiert sich der Verein der Freunde und Förderer des Max-Samuel-Hauses e.V.


DER NAMENSGEBER DES HAUSES


Max Samuel (* 9. Januar 1883 in Argenau, † 2. September 1942 in Blackburn) war ein Unternehmer und Gemeindevorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Rostock.

Seine Ausbildung begann er im Schuhgeschäft eines Verwandten in Güstrow. Dort erhielt er schon früh die Möglichkeit, eigene Erfindungen zu entwickeln. So entwickelte er u. a. eine patentierte Schuhpflegebürste für Wildlederschuhe. Dank der Entwicklung von Schuhzubehör und orthopädischen Artikeln konnte er dann 1906 seine eigene Firma, die EMSA-Werke in Güstrow, gründen. Im selben Jahr heiratete er Berta Geßner, Tochter eines bayerischen Gemeindekantors. In Güstrow wurden Sohn Herbert und Tochter Käthe geboren.

Die Bedingungen für seine expandierende Firma waren in Güstrow nicht günstig. Daher kaufte er ein Grundstück in der Rostocker Friedrichstraße und baute seine Fabrik auf, in der zeitweilig über 150 Mitarbeiter beschäftigt waren. 1921 erwarb er die Villa am Schillerplatz 10 als Wohnhaus. 1923 wurde Max Samuel Gemeindevorsteher der Jüdischen Gemeinde in Rostock. Diese war die größte jüdische Gemeinde im damaligen Mecklenburg. Mit dem Argument erreichte er, dass das Landesrabbinat und der Oberrat von Schwerin nach Rostock verlegt wurden. 1930 übernahm er den Vorsitz des Israelitischen Oberrates von Mecklenburg-Schwerin. Gesellschaftlich engagierte er sich in der Korporation der Kaufmannschaft und war Mitglied der Landes-Universitäts-Gesellschaft.

Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 konnte Max Samuel beide Funktionen nicht mehr ausführen. Er beschränkte seine Aktivitäten auf die Gemeindeleitung. Hier sorgte er für die Sicherung jüdischer Friedhöfe in Mecklenburg und versuchte, bei den Gemeindemitgliedern die geistige Selbstbehauptung zu stärken. Er kümmerte sich besonders um die immer wichtiger werdende Gemeinde-Sozialarbeit. Viele wegen ihres Glaubens entlassene Arbeiter stellte er in seinen Werken ein, sorgte für Ausreisepapiere oder Reisegeld.

Sein Sohn Herbert emigrierte 1934 ins englische Blackburn, um dort ein Zweigwerk der EMSA-Werke zu gründen. 1936 folgte die Tochter Käthe. 1937 starb seine Ehefrau Berta. Nach Beschlagnahme der Firma folgte Max Samuel im Frühjahr 1938 den Kindern ins englische Exil, obwohl er oft erklärt hatte, Deutschland nicht verlassen zu wollen.


DIE GESCHICHTE DES HAUSES

Zwischen 1938-1945 wurde die Villa vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Pflanzenforschung als Labor genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier der Kulturbund Rostock gegründet. Danach zog die städtische Schulbehörde ein und blieb bis Mitte der 1950er Jahre. Von 1955-1991 wurde das Haus als Kindertagesstätte genutzt.

Nach dem Ende der DDR hatte Herbert Samuel, der Sohn von Max Samuel, die Möglichkeit, sein Elternhaus zurückzuerhalten. Er entschied jedoch, dem Wunsch vieler Rostocker nach einer „Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock“ zu folgen und übergab 1991 das Wohnhaus an die Stiftung, die mit ihrer Arbeit das Andenken an Max Samuel und an die vielfältige jüdische Geschichte in Rostock aufrechterhält.

 
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